Evangelisch in Schmiden und Oeffingen

Impuls der Woche

Wie aus heiterem Himmel geschieht es: Der kleine Kinderstuhl fliegt durch die Luft und landet hart auf den Holzbohlen. Puh, denken die Eltern und anwesenden Gäste beim Kindergeburtstag. So rasch sich der Streit zwischen den beiden Mädchen entfachte. Zum Glück ist nichts geschehen. Die ältere Schwester blieb bewahrt und kam durch den Zorn der jüngeren nicht zu Schaden. Gut. Der Boden bekam eine Macke ab. Das lässt sich verschmerzen. Aber was war vorgefallen? – von außen besehen nicht viel. Die Kleine wollte ihren Kinderstuhl auf das weiche Sofa stellen und mittels der Erhöhung zum Regal hochsteigen, ihr Lieblingsbuch holen. Die ältere Schwester verbat ihr dies, aus Sorge, sie könnte fallen.  Daraufhin entlud sich eruptiv der Zorn der Kleineren.

Wie lehrt man Kindern einen friedlichen Umgang mit ihrer Umwelt? Wie erzieht man Menschen überhaupt zum Frieden? - Besonnenheit ist ausschlaggebend! Zuallererst! Aber auch Vernunft und Liebe!. Sich nicht emotional anstecken lassen und mit gleicher Münze heimzahlen. Das ist sehr viel, verlangt Selbstbeherrschung und ist ein starkes, mutiges Zeichen. So wie es das ältere Kind dem kleineren Geschwisterchen sogar vormacht. Nachdem der Stuhl gelandet ist, erklärt sie: Mama hat dir das doch verboten, damit du nicht vom Stuhl herunterfällst und dir weh tust! Ich hol dir das Buch.

Auch der Vater lässt sich nicht emotional vereinnahmen und erklärt seinem Töchterchen: Sag‘s mir das nächste Mal, dann helfe ich dir. Wir möchten, dass dir nichts passiert. Weißt du, du hättest deine große Schwester böse treffen können. Aber jetzt ging es zum Glück gut aus und nächstes Mal machst du es besser.

Wir alle sind Vorbilder für andere. Nicht nur für die kleinen Menschenkinder, auch für die großen. Drängeln wir uns im Verkehr nach vorne, machen es andere nach. Nehmen wir als Autofahrer einem Radfahrer oder Passanten die Vorfahrt, entwickeln sich notgedrungen Ressentiments. Und Menschen, die den Kürzeren zogen, werden demnächst eben auch auf ihr Recht und ihren Vorteil beharren. Traurig bei allem, dass sogar führende Mächtige der Welt diese schlechten Spiele vorspielen und mit „Amerika zuerst“- Parolen die Rechthaberei zum Programm erkoren haben. Extremistisch gesinnte Menschen arbeiten übrigens ähnlich mit einer Psychologie aus der Opferrolle heraus, die aus ihrer Sicht ein rüpelhaftes, selbstbezogenes Verhalten jederzeit legitimiert und ihnen scheinbar erlaubt, ohne Blick auf die Konsequenzen zu handeln.

Jesus ist ein gutes Vorbild für den Frieden, für die so notwendige Arbeit am Frieden in einer Gesellschaft, indem er uns daran erinnert: „Selig sind, die Frieden stiften“ Das heißt, glücklich dürfen sich jene erfahren, die den Frieden ausprobieren und ihn mutig leben, jeden Tag wieder neu, mit Besonnenheit wie Menschenfreundlichkeit, mit Liebe und Verstand. Dazu gehört eben auch, ab und an zurückzustehen. „Denn sie werden Gottes Kinder heißen“ (Matthäus 5,9 – Wochenspruch zum Sonntag, 8. November 2020).